Kennst Du den Frust, viel zu wenig Wellen abbekommen zu haben?
Das schwierigste, wenn man das Surfen lernen will, ist das Lesen der Welle, das Finden der optimalen Position für den Take off, die Orientierung. Ich habe jahrelang gebraucht, bis ich wusste, wann und wo ich jeweils hin paddeln muss und wann es sich lohnt, eine Welle anzustarten oder nicht. Auch die Brettauswahl hat Einfluss auf die Wellenausbeute. Hier ein paar häufige Gründe, die dafür verantwortlich sind, dass Du zu wenig Wellen surfst:
1. Du paddelst zu wenig.
Schon gehört, was? Damit meine ich aber nicht nur das Paddeln, um ins Line Up durch die Brandung zu kommen oder wenn Du eine Welle anstartest.
Wenn Du im Line Up bist, geht die Arbeit erst los!
Viele denken, die Welle würde schon irgendwann zu ihnen kommen. Schon mal festgestellt, dass diejenigen Surfer, die am meisten in Bewegung sind, auch die meisten Wellen surfen?
Wenn z.B. die Welle groß ist, paddle etwas auf sie zu, drehe Dich schnell um 180 Grad (Beinkick!) und erwische sie im richtigen Moment, d.h. auf einer Höhe die nicht zu steil ist.
Wenn die Welle kleiner ist, paddel ein wenig Richtung Strand/Ufer und erwische sie dort. Häufig sitzen viele Surfer zu weit draußen, weil sie die größten Wellen erwischen wollen oder befürchten, von den großen Wellen überrollt zu werden.
Paddle auf einer mittlere Höhe im Line Up, die es Dir erlaubt, vor und zurück zu paddeln oder auch zur Seite weg, um Dich für jede Welle optimal zu positionieren bzw. um sie an Dir vorbei rollen zu lassen.
Häufig shiften die Wellen etwas, d.h. sie brechen nicht immer an der gleichen Stelle. Antizipiere die Stelle wo der Peak sein wird und paddle auf diesen zu!
Bleibe permanent in Bewegung und Du wirst mehr Wellen erwischen.
2. Du startest die falschen Wellen an.
Oft kann ich schon erkennen, dass ein Surfer die Welle nicht bekommen wird bzw. dass er diese umsonst anpaddelt. Warum? Weil sie nicht steil, nicht hohl genug oder zu langsam ist. Wenn z.B. der Abstand zwischen zwei Wellen zu gering ist, kann sich kein Tal zwischen diesen bilden, dass heißt die Welle, die Du versuchst, anzustarten, wird zu flach sein, um diese herunterzugleiten. Da brauchst Du es erst gar nicht versuchen.
Tipp: Beoachte die Welle. Wie steil/flach ist sie? Und auch: wie breit oder schmal ist sie? Hat sie eine Schulter? Hat sie einen Bogen und eine Laufrichtung oder wird sie Close Out brechen? Achte darauf, dass sie eine Senke hat, die es Dir erlaubt, hinabzugleiten. Ich denke oft an eine leicht hohle Handfäche oder eine Suppenkelle. Ist sie zu flach oder zu schmal oder sie hat keine Schulter, spare Deine Energie und peile die nächste Welle an.
3. Du fährst das falsche Brett.
Auch ich dachte im dritten Surfjahr ein Shortboard holen zu müssen. Ein Fehler! Wenn Du nicht gerade am Meer lebst, Deine Lieblingspots nicht Uluwatu, Pipeline, Supertubos oder Puerto Escondido heißen und Du nicht zu Supertalenten gehörst, kaufe Dir nicht zu früh ein Shortboard. Ich staune immer wieder, wie viele Leute heutzutage immer noch mit einem Shortboard im Line Up auftauchen, das sie dann nicht beherrschen. Und klar wird, dass sie keine Erfahrung haben, z.B. weil sie die Fehler aus Punkt 1 und 2 machen.
Die Tatsache, dass Du mit einem größerem bzw. voluminöseren Board mehr Wellen erwischt, hast Du bestimmt auch mal woanders gelesen. Und diese Empfehlung ist auch nach wie vor nicht falsch.
Wenn Du unbedingt ein kleineres Brett möchtest, z.B. eins unter 7 Fuß, nimm Dir ein Egg oder ein größeres, breites Fish. Diese haben mehr Volumen und haben in der Regel auch weniger Rocker, was ein schnelleres Angleiten und letztlich mehr Wellenausbeute für Dich bedeuten. Der Take off (nach links und rechts!) sollte aber auch bei diesen Brettern im Schlaf beherrscht werden. Wenn das nicht der Fall ist, hole Dir ein größeres Brett.
4. Du beobachtest den Horizont nicht genug.
Schau Richtung Horizont und versuche abzuschätzen, wie groß die Wellen sein werden und wo diese in etwa brechen werden. Dass ein großes Set im Anmarsch ist, kannst Du oft schon eine Minute vorher sehen. Da sieht man einen dunkle Streifen am Horizont. Das hast Du häufig bestimmt schon mitbekommen, wenn gute Surfer plötzlich weiter raus paddeln.
Auch an anderen Dingen kannst Du feststellen, dass ein großes Set kommt: wenn Du den Horizont nämlich kurz nicht mehr siehst, da Deine Position im Line Up stark abgesenkt wird: dann solltest Du ebenfalls Richtung Horizont paddeln. Auch ein kühler Zug an den baumelden Füßen kann übrigens ein Hinweis auf ein sich näherndes großes Set sein.
Aufmerksamkeit ist der Schlüssel. Bist Du aufmerksamer als andere und beobachtest Du Horizont und sich nähernde Wellen, wirst Du mehr Wellen erwischen.
5. Du liegst zu weit hinten auf dem Brett.
Tendenziell liegen Anfänger zu weit hinten auf dem Brett. Oft kann man ihnen keinen Vorwurf machen, dass sie beim Take off nicht genug paddeln, aber das nützt nichts, wenn die Nose nicht vor der Welle landet und stattdessen in der Luft wedelt. Erst wenn Deine Nose vor der Welle landet, gleitest Du hinab. Lege Dich daher auf Deinem Brett tendenziell etwas weiter nach vorne als zu weit nach hinten. Drücke beim Anstarten mit Deinem Oberkörper das Brett vorne herunter, indem Du Brust und Kopf senkst. Nur so weit, dass die Nose nicht unter Wasser landet. Variiere und probiere. Du wirst mehr Wellen erwischen.
6. Du schaust beim Anpaddeln nur nach vorne.
Wenn Du bei Nr. 5 alles richtig machst, Dich aber beim Anpaddeln der Welle nicht umsiehst, kann der Nose Dive passieren. Das ist nicht schön und wird Dich die in berühmte Waschmaschine bugsieren. Wenn Du die Wellen anstartest, schau über die Schulter, erstens um, zu prüfen, ob Du jemanden reindroppen könntest und zweitens , um zu sehen, ob die Welle eventuell schon zu steil ist. Dann solltest Du entweder Dein Brett widerum etwas weiter nach vorne kicken (trimmen) und Deinen Oberkörper heben oder ganz auf die Bremse treten (Aufsetzen und Nose hochziehen). Auch ein schräges Anstarten in Richtung Schulter hilft bei einer bereits sehr steilen Welle.
7. Du verteidigst Deine Position nicht.
Verteidige Deine Position! Vor allem Frauen (ja, Ladies!), sind oft zu höflich. Wenn Du an der Reihe bist und näher am Peak (an der Inside) bist, lass Dir die Wellen nicht wegnehmen! Auch hier gilt: paddeln und näher am Peak/ an der Inside sein, als die anderen. Lass Dich nicht dauern mit der Outside abspeisen!
Helfen Dir die Tipps? Hast Du noch welche? Ich freue mich über Deine Kommentare und über Likes und Shares. Danke!


