Ein Gastbeitrag von Joscha Jancke

Die Sehnsucht nach leeren Wellen, die Neugier auf neue Ziele und die Lust am Reisen ließ den Finger bei unserer Surftrip-Planung auf dem weit entfernten Land Mosambik zur Ruhe kommen.

Da es im Internet sehr wenig über Surfen in Mosambik zu finden gab und wir gleichzeitig wussten, dass zur selben Zeit im nur 500km entfernten Südafrika die beste Wellenzeit ist, hatten wir die nicht unbegründete Hoffnung, einen noch nicht ganz ausgetretenen Pfad auf dem weltweiten Surf-Highway vor uns zu haben.

Surfsaison und bekannte Spots

Die beste Zeit zum Wellenreiten auf der südlichen Halbkugel ist unser Sommer, was dort „Winter“ bedeutet. Wir waren im Juli/August für knapp drei Wochen dort, bevor wir nach Südafrika weiterzogen. Es herrschten die meiste Zeit frostige 19-26 Grad. Alle 2-5 Tage gab es mal einen Regenguss, manchmal war es windig.

Die zwei bekanntesten Spots in Mosambik sind Praia d´Oro im Süden und Tofo im Norden.

Da Praia d´Oro von Südafrika aus mit dem Auto relativ einfach zu erreichen ist, wählten wir Tofo, um den Crowdfaktor geringer zu halten.

Tofo – pittoresk, entspannt, vielfältig

Tofo ist ein schöner kleiner Fischerort, der sich dank der unglaublichen Fischvielfalt und der Möglichkeit, Walhaie und Mantas zu erleben, auch zu einem Geheimtipp unter Tauchern entwickelt hat.

Der ganze Ort strahlt eine große Ruhe und tiefe Entspanntheit aus, man erwartet jede Minute, Bob Marley in einer Hängematte schaukelnd oder Balu den Bären ein Lied pfeifend vorbeischlendern zu sehen.

Es gibt eine sandige Main Street, an der sich vier kleine Restaurants befinden, und ein paar davon abzweigende kleinere Gassen, an denen sich noch verstreut ein paar Restaurants und Guesthouses verstecken.

Main Street in Tofo, Foto: Tobias Bürger

Tofo, Foto: Tobias Bürger

In Tofo ist alles fußläufig erreichbar, in 10 Min. ist das Dorf durchwandert. Es sei denn, man hält kurz an, um mit den Muschel- bzw. Tuchverkäufern eine kleines lustiges Gespräch zu führen. Die Locals sind alle super entspannt, man hat nichts dagegen, einem etwas zu verkaufen, aber wenn´s nicht klappt, dann klappt´s halt nicht. Wenn man Lust hat, etwas über Land und Leute zu erfahren und ein zwei Wörter Portugiesisch lernt, steht einem witzigen und informativen Gespräch nichts im Wege.

The Surf

Tofinho ist der Name des Strandes neben Tofo  – unser bevorzugtes Revier. Tofinho ist ein klassischer Reefbreak. Er läuft bei allen Tidenständen, bis auf bei sehr low Tide, dann ist das Riff doch ein wenig zu knapp unter der Wasseroberfläche.

Der Spot verträgt relativ viel Swell. Wir haben es in den knapp 3 Wochen, die wir da waren, einmal so groß erlebt, dass es für uns nicht mehr surfbar war. Dann haben wir es uns einfach auf den Klippen gemütlich gemacht und konnten dem beeindruckendem Erlebnis beiwohnen, den vier südafrikanischen Surfern zuzuschauen, die die 4-5 Meter surfen konnten.

Tofinho on a big day. Foto: Tobias Bürger

Je größer die Wellen, desto stärker ist auch die Strömung, die vom Peak weg zur Buchtmitte zieht.

Bei normalen 2-3 Metern Wellenhöhe muss man immer ein bisschen paddeln, um am Peak zu bleiben. Das hat den Vorteil, dass der Peak immer ein bisschen in Bewegung ist. Wenn dann doch mal 5 bis max. 15 Leute da waren (was für einen Pointbreak viel sein kann), hat jeder mal die Chance, an den Peak zu kommen – Paddelpower vorausgesetzt.

Mosambique Surf Tofo/ Tofinho from eteclothing on Vimeo.

Neben dem Hauptpeak an der Riffkante gibt es noch einen weiteren Peak in der Mitte der Bucht. Die Welle bricht dort nicht ganz so häufig wie der Main Peak, trotzdem hat man auch hier Spaß, gerade, wenn es voller sein sollte.

Das Rauspaddeln gestaltet sich einfach, da man unterhalb der Landzunge bzw. Steinkante auf dem Riff langlaufen kann (außer bei High Tide). Am Ende angekommen, wartet man auf eine Set-Pause, springt und paddelt los.

Da man je nach Strömung so innerhalb von 2-6 Minuten am Peak ist, lohnt sich der kleine Adrenalin-Kick durch den Felsensprung, da die Alternative sonst wäre, durch die Bucht zu paddeln. Und das dauert dann die üblichen 15/ 20 Minuten, je nachdem, durch wie viele Sets man durchtauchen muss.

Timing ist alles, Foto: Tobias Bürger

 

Der Spot direkt am Ort Tofo, Tofo Strand, ist ein Beachbreak, wie er im Buche steht, inklusive der üblichen Sandbänke, die je nach Tidenstand unterschiedlich laufen. Tofo ist meist 1 Meter kleiner als Tofinho und läuft daher nicht ganz so oft bzw. kann dann relativ klein sein. Hat aber auch viel Spaß gemacht, da man sich seinen Peak selber aussuchen kann und dann alleine ist mit seinen Buddys.

Der einzige Nachteil an Tofo, wenn man denn einen nennen sollte, ist der Wind. Alle 2-3 Tage kam und ging er und hat teilweise die Wellen zu stark verblasen. Aber eigentlich war das nicht das wirkliche Hauptproblem, den eines hatten wir nicht bedacht: die Winterferien in Südafrika.

Da Winter in Südafrika 16-22 Grad und regelmäßigen Regen bedeutet und in Tofo 25 Grad und Sonnenschein herrschen, sind einige Kids mit ihren Eltern hochgekommen. Leider surfen selbst Kids in Südafrika besser als so mancher Deutsche (bzw. als wir). Also hatten wir nach 8 Tagen Ruhe (nur 2-5 Leute) am Spot dann auf einmal zwischen 7 und 20 Leute im Wasser. Das war natürlich ein Schock ohnegleichen. Ist trotzdem Jammern auf hohem Niveau, da bei 3 möglichen Sessions am Tag oft nur eine zu voll war. Es blieben noch genug Wellen für jeden.

Dann gibt es noch Barra. Der Spot ist ca. 30-45 Minuten per Auto entfernt, bricht aber sehr selten. Wenn, was wir nicht erleben durften, dann ist das Ganze Weltklasse, wie Jordy Smith gezeigt hat:

Unterkünfte in Tofo

Wir hatten uns einem kleinen Bungalow (www.paradisedunes.co.za) gemietet, der oberhalb des Ortes in den Dünen einen schönen Überblick über Tofo bietet und zwischen Tofo und dem Strand Tofinho liegt. Kostenpunkt ca. 20 Euro die Nacht pro Person.

Die Taucher steigen in den zwei bis vier ein bisschen „schickeren“ 3-4-Sterne-Hotels des Ortes ab. Ein bisschen im Landesinneren liegt noch das coole Mozambeat Hostel (www.mozambeatmotel.com), sehr nice, leider vom Ort ca. 30 Min. Fußmarsch.

Am Ortsende von Tofo befinden sich das Hostel (www.mozambiquebackpackers.com) welches vorrangig von den auf den Africa-on-a-shoestring Traveller-Kids besucht wird auf ihrem Ziel, 6 Länder in 10 Tagen zu erleben. Für Surfer ist das Hostel ein bisschen zu weit weg von Tofinho, es sei denn, man ist mit Mietwagen on the road.

Tofhino ist mit Brett unter dem Arm ca. 15 min Fußmarsch entfernt. Dort sind die besseren Wellen. Da dort abends der Hund begraben liegt und es keinerlei Einkaufsmöglichkeiten gibt, haben wir die Möglichkeit verworfen, dort zu wohnen. Das macht ebenfalls nur Sinn mit Mietwagen. Dafür sind die Unterkünfte hier einen Tick günstiger.

Kulinarik

Die Restaurants in Tofo sind gemütliche kleine Orte, meist um die 4-6 Tische, offene Küche, und bieten neben den internationalen Best-of-Traveller-Gerichten á la Pizza, Pasta, Burger´n Pancake auch grandiosen Fisch und anderes leckeres Meeresgetier zu entspannten Preisen an. Die Preise liegen bei 3-4 Euro für eine Pizza und 7-9 Euro für Hummer (derselbe Hummer würde in Berlin 20-30 Euro kosten). Dann gibt es noch zwei weitere super Food Shacks, die vorrangig leckeres mosambikanisches Essen anbieten.

Die lokale Küche ist eine interessante Mixtur aus der portugiesischen Kolonialzeit und afrikanischen Gewürzen und Zubereitungsarten, die zwei bekanntesten Gerichte sind das scharfe Piri-Piri Chicken oder schmackhafte Matapa (Meeresfrüchte mit Maniokblättern und Reis).

Partyleben

Wem nach ein wenig Party ist, für den ist auch gesorgt. Man ist ja nicht umsonst unter der tropischen Sonne des Südens, wo das Herz im Takt des Grooves schlägt. Ein-, zweimal die Woche tritt irgendwo eine Band auf, dann fängt der kleine Ort schon Tage vorher an zu summen, in Vorfreude auf die Nacht, die da kommen wird.

Meist sind die Auftritte in einem der Taucherhotels, danach geht es dann in die kleine Bretterblech-Bar am Marktplatz. Dort gibt es dann Rum mit Coke und die Stimmung taumelt tanzend zum Siedepunkt, bis die Sonne aufgeht.

Kommunikation

Wenn es mal flat oder zu windig ist, dann gibt es bei Bedarf ein kleines Internet-Cafe im Ort, um mit der Welt zu kommunizieren. Wi-Fi gab es fast nirgendwo. Man kann sich natürlich auch eine lokale SIM-Karte besorgen.

Alternativer Zeitvertreib

Auch eine schöne und lohnenswerte Alternative ist es, mal einen Schnuppertauchgang zu machen. Die Unterwasserwelt ist atemberaubend und es ist spannend zu sehen, was so unter einem ist, wenn man surft.

Eine Busfahrt mit den kleinen Minibussen nach Inhambane bietet sich ebenfalls an. Schöner Ort mit einer schönen Kolonial-Architektur und einer fast schon verwunschenen, verschlafenen Atmosphäre. Hier am besten am Fährsteg im Bistro O Pescador Mittag- oder Abendessen einnehmen und dabei dem Treiben auf der breiten Bucht zuschauen.

Imhambane

Die beste Lay-Day-Beschäftigung war aber das Lesen in der Hängematte, z.B. über die sehr interessante Geschichte Mosambiks vor und während der Kolonialzeit der Portugiesen. Dazu ein kaltes 2M Beer und der Sonnenuntergang war gerettet.

Place with a view…Foto: Tobias Bürger

Anreise, Prophylaxe, Neoprendicke

Obwohl Mosambik für uns Europäer ein eher unbekanntes Ziel ist, kann man die Anreise dorthin relativ einfach gestalten. Von Berlin geht es via Frankfurt nach Johannesburg mit South Africa Air, (für um und bei 600 Euro, Boardmitnahme umsonst). Nach einem Nachtflug in der gemütlichen Economy ein kleines Frühstück während des Stopovers in Jo’burg, um dann weiter mit der LAM, der Local Mosambik Air, in die Provinzhauptstadt Inhambane zu fliegen (Flug ca. 150 Euro/ Boardmitnahme umsonst).

Von dort sind es nur noch ca. 2 Std mit einem Local Taxi bzw. Jeep nach Tofo. Man kann auch in die Hauptstadt Maputo fliegen für roundabout 600 Euro und von dort mit dem Bus in 6-9 Std hochfahren (ca. 20 Euro).

Malariaprophylaxe wird empfohlen. Ich habe Doxycyclin genommen, ohne Nebenwirkungen.

Ein Neo ist nicht erforderlich, höchstens 1.5 mm Neo-Weste oder LS Top zur Boardshort. Da es vor Ort keine Surfshops gibt, alles mitnehmen.

Toys for Boys…, Foto: Tobias Bürger

Fazit

Mosambik hat unsere Neugier auf Afrika erst richtig geweckt. Die Kombination aus vielen oft leeren Spots mit unglaubliche Wellen, tollen, offene Menschen und die unglaubliche Natur sind jedem nur zu empfehlen. Als wir in einem Südafrikanischen Hostel ein zerlesenes Surf Mag durchblätterten und von Madagaskar lasen, war das nächste Ziel klar.

Sobald wir dort waren, wisst ihr wo Ihr unseren Bericht lesen könnt.

Wenn Ihr Fragen zu Tofo habt, einfach rein in die Comments

6 Responses

  1. Clemens

    Danke für den interessanten Bericht. Gabs dort jeden Tag surfbare Wellen oder wars auch oft zu flach bzw. zu verblasen? Überlege mir diesen Sommer hinzufahren.
    Grüße, Clemens

    Antworten
    • Joscha Jancke
      Joscha Jancke

      Hei Clemens, ist natürlich nicht Indo, dh nicht jeden Tag perfekt und der Wind kann auch mal so nerven das nur eine Session am Tag möglich ist. Aber eigentlich gab es immer was zum Surfen. Der störendere Faktor waren die „Winter“ Ferien in SA, da dann schlagartig 15-25 Leute mehr im Wasser waren, was bei einem Pointbreak nervt 🙂 wir waren danach noch in Südafrika, und hatten dann noch perfekte JBay Wellen, das war eine recht gute Kombination. Mosambik ist als Land einfach super zu erleben, und in SA hat man evtl die größere Spotauswahl.

      Antworten
      • Clemens Wörner

        Vielen Dank Joscha für die Antwort. Mosambik ist neben Schottland und Liberia eine Option für diesen Sommer. Eventuell in Kombination mit Südafrika. Werde mich wahrscheinlich sehr spontan entscheiden. Gruß, Clemens

  2. Markus

    Hey,
    danke für den informativen Bericht. Bin immer wieder dankbar für hinweise auf „neue“ interssante Destinationen.
    Grüße, Markus

    Antworten

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