Ein Gastbeitrag von Martin Söhngen

Auf der Suche nach einem Surftrip mit perfekten Wellen und wenigen Leuten im Wasser stieß ich bei der Recherche auf die Malediven. Bekannt waren diese mir schon, vor allem für Honeymoonreisende und Taucher, doch dass es hier Weltklassesurf gibt, war mir bis dato nicht bekannt. Heute muss ich sagen, dass ich ein absoluter Fan der Spots im Nord-Malé-Atoll bin und dass meine 3 Trips, die ich bis heute dort hin gemacht habe, mit Sicherheit nicht meine letzten waren!

Perfekte Reefbreaks – auch für Intermediates

Surfen auf den Malediven bedeutet Surfen ausschließlich von Reefbreaks. Doch dies bedeutet nicht unbedingt, dass die Wellen nur für Pro Surfer geeignet sind!

Vor allem in der Zeit von Anfang Oktober bis Ende April, findet man perfekte Wellen in einer Höhe vor, die auch für den deutschen Intermediate-Durchschnittssurfer geeignet sind.

Noch kleiner sind die Wellen z.B. in der Zeit Dezember bis Februar, maximal kopfhoch, bei sehr sauberen Bedingungen. Viele Reefs sind plattgewaschen, so dass zum Teil sogar ohne Reefbooties gesurft werden kann. Somit sind die Wellen in dieser Zeit auch anfängertauglich.

Cleaner Surf und dünne Line Ups ab Februar

Ich persönlich war stets in den Monaten Februar bis Mai dort, in denen super cleaner Surf und Offshore-Wind garantiert sind!

Es laufen linke und rechte Wellen wie aus dem Hochglanzsurfmagazin, die man dann mit einer überschaubaren Anzahl an Surfern teilt.

Etwas fetter wird es bereits Anfang März, wenn der Swell zunimmt und dieser sich bis zur Peak-Zeit im August und September steigert. Ab Juni beginnt der australische Winter, und bis September wird es etwas voller im Line Up. Gleichzeitig nimmt auch das Surfniveau zu, bei einer Wellenhöhe bis triple overhead.

Traumhafte Kulisse

Ob große oder kleine Wellen, Anfänger oder Pro: die Kulisse ist in jedem Fall traumhaft: türkisblaues, glasklares Wasser (bei Wassertemperaturen nahe der 30 Grad) und jede Menge Unterwasserwelt – bunte Fische, Delfine, Meeresschildkröten! Haie gibt es auch, doch schwere Unfälle sind so gut wie unbekannt.

maldives2015 from Martin Söhngen on Vimeo.

Surfspots

Hier ein paar Surfspots, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Cokes

Cokes (nach einer Coca-Cola Fabrik auf der Insel Thulusdhoo benannt), ist sicher eine der bekanntesten und meist fotografierten Wellen des Nordmalediven-Atolls. Die hohl nach rechts brechende Welle hat Weltklasseniveau und lässt Fans des Tuberides jubeln. Ab März bis September sollte man definitiv zu den besseren Surfern gehören, wenn man diese Welle reiten will. Um Riffkontakt muss man sich wenig Sorgen machen, in der Surfzone hat man viel Wasser unterm Kiel und das Riff ist seicht.

Cokes, Foto: Martin Söhngen

Cokes an einem großen Tag, Foto: Martin Söhngen

Chickens

Wie auch Cokes in der Nähe der Insel Thulusdhoo. In den 80er Jahren stand hier eine Hühnerfarm, daher der Name. Dieser Lefthander gehört zu den längsten der Malediven und kann ebenfalls schöne Barrels raushauen. Die Welle läuft schnell, aber im Vergleich etwas langsamer als Cokes, wodurch sie sich gut für Manöver auf der Schulter eignet.

Chickens, Foto: Martin Söhngen

Chickens, Foto: Martin Söhngen

Honkey’s

Vor der Insel Thanburudhoo (wie auch Sultans). Manche behaupten, es sei die beste Welle auf den Malediven. Wenn alles zusammenkommt, kann die Welle Weltklasse-Format haben. Langer Lefthander, der in der zweiten Section seine Höhe schon mal verdoppelt. Braucht aber die richtige Swelldirection aus Süd bis Südost. Wenn Sultans zu voll ist, lohnt es sich hier zu checken.

Sultans

Schnelle rechte Welle , die sich am besten bei einem großem Swell aus Süd entfaltet und lange Rides ermöglicht. Am besten bei Westwind und bei High Tide. Wenn Honkey nebenan Onshore hat, ist Sultans offshore. Sehr consistent, hier läuft immer was.

Jails

Auch bekannt als Jail Breaks und Prison Point, da der Break sich direkt vor einem ehemaligen Gefängnis befindet. Erst seit kurzer Zeit darf man hier überhaupt surfen. Schöner Righthander, der mit zunehmender Länge schneller wird. Bricht in 3 Sectionen, auch mit Tubes.

Die obigen Wellen befinden sich alle im Nord-Malé-Atoll. Hier sind die Wellen durch die durch die östliche Lage der Riffe immer etwas größer und haben mehr Qualität. Das macht sich vor allem in der Main Season auch durch die höhere Anzahl an Surfern bemerkbar, was aber in letzter Zeit wiederum zur Folge hat, dass viele Surfari-Boote sich anderen Gefilde suchen, z.B. im Ghaaf Dhaal Atoll (Süd-Malé-Atoll). Auch hier gibt es viele Spots, die es sich lohnt, zu entdecken.

When to go?

Die Tabelle fasst die Bedingungen für das Nord-Malè-Atoll in Bezug auf Wetter, Swell, Wind und Crowdfaktor in der Jahresübersicht zusammen, wobei sich die Bedingungen der aufgeführten Abschnitte überschneiden können.

Ich empfehle den Zeitraum Mitte Februar bis Mai, in dem es perfekte, moderat hohe Wellen hat, bei kaum Wind und wenig Crowds!

Und wann kommst Du? Foto: Martin Söhngen

Welches Surfboard und welches Equipment mitnehmen?

Da die Wellen überwiegend steil sind und viele Turns gezogen werden, sind Shortboards die beste Idee. Während der kleineren Monate (Dezember bis Februar) ist aber auch Surfen mit dem Longboard möglich.

Surfshops sind auf den Malediven nicht vorhanden. Daher ist es besser, alles selber mitzubringen: jede Menge Tropical Wax, Ersatzfinnen und -leash, Reparatur-Kits.

Ansonsten reichen Boardshorts und gegen die sehr intensive Sonneneinstrahlung (das glasklare Wasser verstärkt die Wirkung!) ein Lycra und viel, viel Sonnencreme! Zu Reefbooties würde ich Dir auch raten, auch wenn man sie nicht an jedem Spot unbedingt benötigt, da die Riffe wie erwähnt oft plattgewaschen sind.

Sonstige Aktivitäten

Angeln

Für den unwahrscheinlichen Fall von Flat Spells  – also wenn keine Wellen laufen – aber auch als Aktivität, die Du in jedem Fall auf einem Malediven-Trip gemacht haben solltest, ist das Angeln ein wunderbare Urlaubsbeschäftigung.

Die Locals sind allesamt begeisterte und erfahrene Fischer. Kein Wunder: ein Blick auf die Landkarte impliziert, dass Fisch hier zwangsläufig überwiegend auf der Speisekarte steht.

Dennoch bemüht man sich in den letzten Jahren um den Schutz der heimischen Gewässer, schließlich hat der Tourismus die Fischerei als Einnahmequelle verdrängt und die wunderbare Unterwasser-Artenvielfalt soll erhalten bleiben. Netz, Speer- und Harpunenfischen sind daher verboten.

Aber Angeln darf man! Die Chancen stehen gut, dass Du hier den wahrscheinlich größten Fisch Deines Lebens an Bord ziehen kannst, entweder, wie üblich auf den Malediven, mit einer simplen Handleine oder mit Deiner eigenen Angelausrüstung.

Schnorcheln und Tauchen

Bei der erstaunlichen Artvielfalt an Fischen und Korallen der Malediven wäre es ein Jammer, wenn Du dies nicht auch zum Schnorcheln oder Tauchen nutzt! Schließlich gehören die Malediven zu besten Tauchrevieren weltweit. Die Sichtung von Rochen, kleinen Mantas, Falter- und Kaiserfischen sowie kleinen Riffhaien sind an der Tagesordnung.

An den Surfspots sind die Korallenriffe durch die Abnutzung der starken Brandung eher unspektakulär. Aber Trips zu einschlägigen Riffen mit seinen bunten Korallen und Fischen sind ein unvergessliches Erlebnis!

Was man sonst noch wissen sollte

Die Malediven sind ein islamischer Staat. Wie auch in anderen islamischen Ländern, sollten Kultur und Gepflogenheiten toleriert werden. Auf den Inseln sollten Körperteile möglichst bedeckt bleiben. Im Wasser heißt es auch für Surferinnen Boardshorts und Lycra statt Bikini.

Meine persönliche Empfehlung

Jedem, der einen Surftrip auf die Malediven machen möchte, rate ich natürlich zu einen Bootstrip! Und da empfehle ich, Euch an Falk Ostwald zu wenden. Er ist seit über 20 Jahren auf den Malediven unterwegs, war einer der ersten, der hier gesurft ist und kennt sich bestens aus. Wer lieber in ein Guesthouse möchte, ist ebenfalls bei Falk in guten Händen. Mehr Infos gibt’s Auf seiner Website: www.clearwater-maldives.de.

Gibt’s on top: wunderschöne Sonnenuntergänge, Foto: Martin Söhngen

FAQ

  • Anreise: per Direkflug nach Malé z.B. direkt mit Condor ab Frankfurt und Düsseldorf
  • Kosten für Bootstrip: ab ca. 99 EUR Pro Person und Tag
  • Zusatztipp von Veit: Anreise via Colombo (Flugzeit ab hier 1 Stunde), so kannst Du den etwas preisintensiveren Trip auf die Malediven mit einem günstigeren Surftrip nach Sri Lanka (lies hier meinen Surfguide zu Sri Lanka) verbinden!

Noch mehr bewegte Bilder von Martins Malediven-Trip gibt es hier, viel Spaß!

Focus from Martin Söhngen on Vimeo.

Warst Du auch schon mal auf den Malediven surfen? Hast Du weitere Tipps? Wir freuen uns über Kommentare, Shares und Likes! Danke!

7 Responses

  1. Stefan

    HAllo Veit, hallo MArtin,

    ich überlege gerade und ringe mit mir, ob ich im Dezember auf die Malediven – nach eurer Lektüre tendiere ich nun eher wieder dagegen. Veit, du hast natürlich recht, flat kann es überall sein, aber die Chance im Dezember ist dann doch extrem hoch, oder? Grüße, Stefan

    Antworten
    • Veit Jürgens
      Veit Jürgens

      Hallo Stefan, entschuldige die etwas späte Antwort! Ja, Dezember würde ich eher nicht auf die Malediven fliegen, dafür ist das Risiko zu hoch, dass man relativ viel Geld ausgibt und dann bei schwacher Consistency im Monat Dezember tatsächlich keine Wellen abbekommt! Hast Du schon mal über Bandah Aceh in Indonesien nachgedacht? Dezember ist dort ein Top-Monat… Liebe Grüße Veit

      Antworten
  2. Herbi

    Hallo!
    Guter Artikel. Dennoch möchte ich alle darauf hinweisen, dass es im europäsischen Winter Oktober bis April wirklich flach sein kann. Dann gibts kaum Wellen und der Trip lohnt sich wirklich nicht. Die Unterwasserwelt ist nach 2 Tagen erforscht und danach wirds richtig langweilig.
    Und wer schon mal in den restliche Monaten war: Extrem viele Leute im Wasser.
    Der durschnittliche Deutsche bekommt dann nicht so viele Wellen.
    Srilanka ist da defintiv mehr zu empfehlen. Da gibts super Wellen und deutlich weniger Leute zum viel besseren Preisen.
    Die Malediven sind überzogen und bleiben eine Luxus Destination.
    Außer ihr habt mal wirklich viel Geld übrig, dann empfehle ich ein Hotel, welches die Rechte der Wellen für sich beantsprucht.
    z.H: Huduranfushi Island Resort oder Chaaya Island Dohnveli.
    Das kostet richtig Asche! dafür wirds der Trip eures Lebens.

    Hauts rein!
    Herbi

    Antworten
    • Veit Jürgens
      Veit Jürgens

      Hallo Herbi,

      danke für Deinen Kommentar! Flat kann es meiner Meinung nach überall sein – man drückt leider nicht auf den Knopf und der Swell ist da. Das gilt für die Malediven und auch für alle anderen Surfdestinationen. That’s part of the game. Selbst in Monaten, die im allgemeinen als zuverlässig gelten, kann man Pech haben und es ist flat – ist mir auch schon in Sri Lanka passiert und bereits 3 x in Marokko.

      Das Foto von Martin in Cokes wurde im März aufgenommen – zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Glücklich sind dann die, die ihre Reisen und Flüge spontan nach den Swellbewegungen buchen können.

      Und die Malediven kommen sicherlich nicht für jeden Budget-Surfer infrage, da muss jeder selbst entscheiden, wieviel er berappen möchte und kann.

      Beste Grüße

      Veit

      Antworten
      • Falk ostwald

        Flat gibt es hier nicht….niee! Höchstens das die Windrichtung mal nicht stimmt, ansonsten ist off season ne gute Sache….ganzen Dez. Und Januar war top surf und max. 3 Leute im Wasser. Für 35 € könnt ihr bei uns im Doppelzimmer wohnen ….10 Meter vom Wasser mit Blick auf n Spot.

  3. Markus

    Hallo Martin und Veit,
    danke für die Anregung und den ausführlichen Artikel. Macht wirklich Lust auf die Malediven. Hab auch schon öfter überlegt, dachte aber immer, dass mein Level nicht ausreicht. Sieht aber auf dem netten Video doch ganz moderat aus.
    Danke nochmal und Gruß

    Antworten
    • Veit Jürgens
      Veit Jürgens

      Hi Markus, vielen Dank für Deinen Kommentar! Werde mit Spannung Deinen Sri-Lanka-Trip verfolgen. Verbinde diesen dann doch mit einem Sprung auf die Malediven. In der Zeit, in der Du da bist, wäre es zudem die ideale Saison! Liebe Grüße! Veit

      Antworten

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