Surfen ist eine wunderbare Art, seiner Leidenschaft für das Reisen zu frönen. Doch in manchen Urlauben macht einem die Natur einen Strich durch die Rechnung und es laufen keine Wellen: Alles flat! Da sucht man sich andere Beschäftigungen. Und natürlich will man neben dem Surfen Kultur, Land und Leute kennenlernen und seinen Horizont erweitern. Darüber schreibe ich in der Kategorie Flat Spells.

Eine besondere Erfahrung durfte ich in Sri Lanka während einer längeren Surfari machen. Nach vielen Monaten des Länderhoppings und Surfens waren meine Freundin Anne und ich etwas reisemüde. Wir hatten das Gefühl, dass keine Eindrücke mehr aufnehmen zu können, fühlten uns erschöpft und leer. Wir verspürten Lust, dem Reisen im Außen eine Reise in das Innen folgen zu lassen. Was kann es da Besseres geben, als eine Ayurveda-Kur, im Mutterland des Ayurveda?

“Ayur Veda”, die Wissenschaft vom Leben

“Ayur Veda”, die Wissenschaft vom Leben, ist die mindestens 5.000 Jahre alte, indisch-singhalesische Volksmedizin. Demnach wirken bei allen Menschen drei Doshas: Vata (Wind, Luft und Äther Pneuma), Pitta (Feuer und Wasser, Chole), Kapha (Erde und Wasser, Phlegma). Gemäß der eigenen körperlichen Konstitution sind die Doshas bei jedem Menschen individuell gewichtet, wobei in der Regel ein bis zwei Doshas dominieren. Je besser die Doshas in das ursprüngliche individuelle Verhältnis gebracht werden, desto ausgewogener, zufriedener und gesünder ist der Mensch. Diese Ausgewogenheit wird durch Reinigung des Körperinneren, durch angepasste Ernährung, Dosha-Tees, Naturmedizin und jeder Menge Massagen hergestellt. Für die Ausgewogenheit des Geistes helfen zudem Yoga und Meditation.

Auswahl eines Anbieters für eine Pancharkarma-Kur

Wir machen uns also in Sri Lanka auf die Suche nach Möglichkeiten für eine mehrwöchige Ayurveda-, genauer einer Pancharkarma-Kur. Ganz unserem Naturell entsprechend wird dazu eine Excelliste angefertigt mit allen, weit mehr als 30 gefundenen Anbietern (hier gehts es zur Liste, als Dank freue ich mich, wenn Du Dich zu meinem Newsletter anmeldest). Wir vergleichen Inhalte, Verfügbarkeiten, Orte und Preise und landen immer wieder bei dem deutschen Anbieter www.vattersgarden.de. Die Familie Vatter bietet seit 1991 Ayurvedakuren in Sri Lanka an. Die professionellen Ausführungen auf der Website, das faire Preis-Leistungsverhältnis und die schnelle, überaus freundliche persönliche E-Mail-Auskunft von Inhaberin Karin Vatter überzeugen uns. Da wir im Juli in der Nebensaison anfragen (Hauptsaison ist Dezember bis März), erhalten wir kurzfristig unseren Kurplatz.

Das Isolabella-Resort in Dikwella

Im Isolabella-Resort in Dikwella im Süden Sri Lankas werden wir mit Blumenketten aus Hibiskus und Frangipani und einem frischen Papayasaft begrüßt. Das kleine Isobella hat lediglich acht Doppelzimmer und ist von einem Italiener im toskanischen Finca-Stil erbaut worden, inklusive Pool und entzückendem Garten. Unser großes, sauberes Zimmer hat Schränke, ein Warmwasser-Duschbad, einen Ganzkörperspiegel, einen leisen Ventilator, ein dichtes Moskitonetz und eine Terrasse mit Blick zum Meer und einem vorgelagerten Inselchen. Was für ein großartiger Luxus nach dem vielen Backpacking der vorherigen Monate!

Bestimmung des Doshatyps

Gleich am ersten Tag haben wir jeweils vier Massagen und unsere ärztliche Erstkonsultation, bei der per Antlitz- und Pulsdiagnose unser jeweiliger Doshatyp bestimmt wird. Die Ärzte, die ihre Ausbildung in Sri Lanka und in Deutschland absolviert haben und sowohl englisch als auch etwas deutsch sprechen, bestimmen Anne demnach als Vata-Pitta Typ und mich als Pitta-Kapha Typ. Bei uns beiden ist Pitta das am stärkste ausgeprägte Dosha. Eine ärztliche Konsultation erfolgt in der Folge täglich. Dabei wird jeweils der Blutdruck gemessen, der Puls erfühlt und der Kurverlauf gesteuert und dokumentiert. Auch das seelische Befinden wird erfragt.

Yoga und Mediation am Morgen

Jeden Morgen von 6:30 bis 8:00 Uhr gibt es Yoga und Meditation auf der überdachten Gartenterasse, von der man einen Blick auf das Meer hat. Die Anleitung erfolgt durch Mr. Marvin, der für seine 76 Jahre noch erstaunlich beweglich ist. Sein Yoga löst allerdings bei Yoga-Fan Anne zunächst etwas Enttäuschung aus, weil seine Anweisungen mit akkurat ausgeführten Bewegungen, Erklärungen, Korrekturen und dem Zusammenspiel von Atmen und Bewegen wenig bis gar nichts zu tun haben. Mr. Garvin hat deutlich mehr Freude bei der Meditationsanleitung. Da erzählt der überzeugte Buddhist viel und es ist spannend, ihm zuzuhören. Nachdem wir uns an die leichte Morgengymnastik gewöhnt haben und verschiedene Meditationsformen mit Meeresrauschen im Ohr praktizieren, können wir daraus viel Kraft ziehen und sind jeweils voller Energie, wenn um 8:00 Uhr das Frühstück serviert wird. Das besteht in der Regel aus vielen Früchten (den leckersten Papayas, die uns im Leben serviert wurden, sowie Melonen, Bananen) und Nussmus.

Innere Reinigung: Virechana

Bereits ab dem zweiten Tag wird das Frühstück für uns beide arg reduziert, da die Reinigungsvorbereitung (Virechana) beginnt. Zwei Tage lang bekommen wir morgens um 6:00 Uhr lediglich zwei Esslöffel Sesamöl zusammen mit literweise heißem Wasser. Der vierte Tag beginnt mit einer bitter-sauren Flüssigkeit im Teeglas, die abführend wirken soll. Nicht gerade ein Vergnügen, dieses ekelhaftes Gebräu runterzuwürgen!

Nach dem Abführgetränk heißt es warten. Nach zwei bis drei Stunden beginnt das große Rennen. Glücklicherweise haben Anne und Veit einen unterschiedlichen Rhythmus, sodass der befürchtete Kampf ums Klo ausbleibt. Essen dürfen wir den gesamten Tag nichts außer zwei Schälchen Reissuppe.

Als dieser erster Reinigungsprozess zu seinem Ende kommt, werden wir mit heißem Kräuterwasser und einer anschließenden Kokosnuss belohnt. Später folgt endlich ein leckeres Abendessen!

Überwiegend vegetarische Kost

Auch zum Mittag- und Abendessen wird vorwiegend Vegetarisches serviert, an einigen Tagen gibt es Thunfisch, Fleisch gibt es nicht. Die Gerichte und Zutaten und deren heilsame Wirkung werden uns vor dem Essen jeweils von einem der Ärzte erklärt. Gemäß der unterschiedlichen Ayurveda-Typen, erhalten einige Patienten angepasste Gerichte. Tendenziell sind  die Gerichte nach unserem Geschmack immer etwas zu scharf. Den singhalesischen Köchen, die die Chilischote wie Köche bei uns das Salz verwenden, schaffen es erst nach wiederholten Bitten, uns die Gerichte mit etwas weniger Feuer zu kredenzen. Nicht ganz den Pancharkarma-Kur-Vorschriften entsprechend – zwecks der inneren Einkehr sollte man das reden reduzieren – quatschen wir beim Essen etwas zu viel. Doch unsere 6 Mitgäste – die jüngste Patientin ist 17 Jahre, die älteste 55 – sind einfach zu entzückend, als dass wir es vermeiden können, uns bei den jeweiligen Mahlzeiten auszutauschen.

 

 5 Ölmassagen am Tag

Jeden Tag werden wir bei fünf Massagebehandlungen kräftig mit auf den verschiedensten Ölen eingerieben (es gibt im Ayurveda etwa 300 auf die verschiedenen Doshatypen abgestimmte Öle!), oft von den Haaren bis zu den Zehen. Auf dem Programm stehen je 25-minütige Kopf-, Gesichts-, Nacken-Schulter-, Rücken-, Fuß-, Handmassagen. Besonders angenehm sind die Ganzkörpersynchronmassagen mit zwei Therapeuten und einer vollständigen Einölung. Außerdem erhalten wir Spezialmassagen für unsere Surfer-Rückenleiden.

Shirodhara und Nasya

Bei einer Ayurveda-Kur dürfen die Stirngüsse (Shirodhara) natürlich nicht fehlen. Dabei wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen warmes Öl langsam über die Länge unserer Stirn gegossen. Der Stirnguss soll ein Lösen sämtlicher festgesetzter Schleime in den Sinushöhlen des Kopfes dienen. Der Guss ist sehr angenehm und dient der Vorbereitung einer weniger annehmen Prozedur dem Nasya, der Nasenreinigung. Hierzu bekommt man Öl in die Nasenlöcher geträufelt, muss es hochziehen und dann durch den Mund wieder nach außen befördern. Das heißt beim Nasya hat man ordentlich zu tun, sich des ganzen Krams zu entledigen. Beendet wird dieser Prozess mit dem Gurgeln von Pfefferwasser. Es gibt wahrlich Angenehmeres…

Endlich entspannen!

Während der Kur feiert Anne ihren Geburtstag, der glücklicherweise ein reiner Entspannungstag ist. Wie immer werden wir morgens um 6:00 mit einem freundlichen “Guten Morgen” mit singhalesischem Akzent geweckt. Das Glas heißes Wasser steht bereit und dazu gibt es heute einen Blumenstrauß, der durch einen wunderschön dekorierten Frühstückstisch, weitere Blumen vom Massage- und Ärzteteam, einem Kokos-Reiskuchen mit Bananendekoration und einem Geburstagsständchen aller Gäste und Mitarbeiter perfektioniert wird. Wow!

Vasti Karma

Nach einem weiteren Entspannungstag ohne Reinigung nur mit wohltuenden Massagen folgt Vasti Karma. Klingt schön, ist aber so lala. Denn dahinter verbirgt sich nichts anderes als ein Einlauf mit Öl. Wenigstens läuft’s (!) reibungslos bei uns beiden und ist somit recht zügig überstanden. Ungünstigerweise wurde kurz vor unserer Vasti Karma Behandlung festgestellt, dass die Klärgrube unseres Wohngebäudes voll ist. Während der Wartungsarbeiten teilen wir uns ein einziges Klo mit den anderen sechs Gästen, aber alles klappt gut.

Tharpanam

Die letzte Reinigung für uns ist die Augenreinigung (Tharpanam) wiederum zwei Tage später. Dabei wird einem ziemlich viel Kokoswasser in die Augen geträufelt. Anne’s Hoffnung, nach dem anschließenden fünfstündigen Sonnenbrilletragen so strahlend weiße Augäpfel zu bekommen, wie unsere singhalesische Ärztin erfüllt sich zwar nicht, aber immerhin fühlt es sich sehr erfrischend an.

Blumiger Abschluss

Unsere letzten Behandlungen (je eine Gesichts- und Fußmassage) erhalten wir auf einer über und über mit Blüten geschmückten Massageliege. Wir werden zum Abschied sozusagen auf Blumen gebettet, die anschließend mit Creme auf unseren Körpern “geklebt” werden. Nachdem wir die Kur als Ölprinzenpaar begonnen haben, beenden wir sie als Blumenkinder.

Nach 14 Tagen liebevollster Umsorgung durch ein unglaublich großes Personalteam (etwa acht Masseure/innen, drei Ärzte, vier Kellner, zwei Köche, zwei Gärtner, zwei Zimmerjungen, drei Gästebetreuer, diverse Helfer) sind wir wirklich vollkommen entspannt und sehr, sehr nah bei uns. Obwohl die Tage mit den Behandlungen gut gefüllt waren, hatten wir viel Zeit zum Lesen, Nachdenken und Meditieren.

Zum Schluss erhalten wir in einer Abschlusskonsultation noch eine Liste von Zuhause erhältlichen Lebensmitteln, die unseren Doshas gut tun oder schaden. Außerdem bekommen wir noch Medikamente für mindestens einen Monat mit und auch den Rat, wie ein gesunder ayurvedischer Tag aussehen sollte.

Beseelt und fast schweren Herzens verlassen wir dieses Paradies, zugleich voller Energie für neue Eindrücke.

FAQ

Wie lange sollte eine Panchakarma-Kur sein?

Eine effektive Kur sollte mindesten 10, besser 14 Tage dauern. Traditionell ist diese sogar auf 4 Wochen angelegt.

Für wen eignet sich eine Ayurveda-Kur?

Eine Kur ist für jeden empfehlenswert. Gerade chronisch Kranke profitieren vom ganzheitichen Ansatz. Im Zweifel sollte eine Kur jedoch mit dem Hausarzt vorab besprochen werden.

Wieviel kostet eine Panchakarma-Kur in Sri Lanka? 

Je nach Saison und Hotelniveau variieren die Preise. Diese liegen zwischen etwa 600 und 1.500 für 14 Tage. Hauptsaison sind die Monate Dezember bis März. Auch in Deutschland gibt es Kur-Angebote, die natürlich teurer sind. Ab einem Aufenthalt in Sri Lanka von 10 Tagen lohnt sich die Kur im Vergleich zu Deutschland, wenn man die Kosten für den Flug hinzurechnet.

Wo in Sri Lanka kann man Ayurveda-Kuren machen?

Die meisten Kurangebote gibt es im Westen und Süden der Insel. Im Norden und Osten gibt es noch wenig bis keine Angebote.

Wie erfolgt die Anreise?

Die Anreise zu den jeweiligen Orten ab dem Flughafen Colombo ist unkompliziert und sicher. Man kann mit dem Zug, dem Bus oder per Taxi reisen. Man benötigt für Sri Lanka ein Einreisevisum, was man vorher online beantragen kann.

Du hast Fragen zur Ayurveda-Kur oder hast eigene Erfahrungen gemacht? Ich freue mich über Deine Kommentare. Wenn Dir mein Artikel gefallen hat, bin ich Dir dankbar für Shares und Likes. Vielen Dank!

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